2. Produktpolitik

1. Produktlebenszyklus

MerkmaleEinführungWachstumReife und SättigungRückgang
Absatzgeringschnell ansteigendSpitzenabsatzfallend
Kosten pro Kundehochdurchschnittlichniedrigniedrig
Gewinnenegativsteigendhochfallend
Anzahl der Konkurrentenwenigenehmen zugleichbleibend, teilweise fallendabnehmend
MarketinzieleProdukt bekanntmachen, Erstkäufer überzeugengrößtmöglicher Marktanteilgrößtmöglicher GewinnKostensenkung, Gewinnmitnahme
Kernbotschaft der Werbungneu, innovativBestätigung des Verhaltensverlässlich, bewährtSchnäppchen

Aufgaben Produktlebenszyklus

Aufgabe 1: Nenne die 5 Phasen des Produktlebenszyklus und beschreibe eine davon kurz.

Aufgabe 2: Ein Produkt befindet sich in der Reifephase. Welche Maßnahmen könnte ein Unternehmen ergreifen, um den Lebenszyklus des Produkts zu verlängern?

Aufgabe 3: Ein Unternehmen hat in der Wachstumsphase hohe Umsätze, aber auch steigende Konkurrenz. Welche Herausforderungen entstehen in dieser Phase?

Aufgabe 4: Ordne die folgenden Merkmale den jeweiligen Phasen des Produktlebenszyklus zu:

a) Hohe Investitionen, wenig Umsatz
b) Maximale Gewinne, aber langsames Umsatzwachstum
c) Umsatzrückgang trotz Marketinganstrengungen


2. Produktinnovation

Es wird geklärt, ob neue Produkte die Position des Unternehmens am Markt stärken oder sogar verbessern können.

Gründe:

  • technischer Fortschritt
  • veränderte Kundenwünsche

Hierbei spielen die Themen Produkthaftung und Patent- sowie Gebrauchsmusterschutz eine große Rolle:


==1. Produkthaftung==

  • Definition:
    Produkthaftung bedeutet, dass ein Unternehmen für Schäden haftet, die durch fehlerhafte Produkte entstehen.
  • Bezug zu Produktinnovation:
    Bei der Entwicklung neuer Produkte (Produktinnovation) muss das Unternehmen sicherstellen, dass das Produkt sicher und frei von Mängeln ist. Wenn ein innovatives Produkt fehlerhaft ist und Schäden verursacht, haftet das Unternehmen rechtlich. Deshalb ist es wichtig, Sicherheitsstandards und Tests in die Entwicklung einzubeziehen.

==2. Patent- und Gebrauchsmusterschutz==

  • Definition:
    • Patent: Schützt eine neue technische Erfindung vor Nachahmung durch andere.
    • Gebrauchsmuster: Ähnlich wie ein Patent, aber meist für kleinere Erfindungen und kürzer geschützt.
  • Bezug zu Produktinnovation:
    Ein Unternehmen, das ein innovatives Produkt entwickelt, kann es durch Patente oder Gebrauchsmuster schützen lassen. So wird verhindert, dass Konkurrenten die Innovation einfach kopieren. Das Unternehmen erhält so einen Wettbewerbsvorteil und kann seine Investitionen in die Entwicklung absichern.

Merke

  • Produkthaftung: Sichert, dass das innovative Produkt sicher ist und keine rechtlichen Probleme entstehen.
  • Patent-/Gebrauchsmusterschutz: Schützt die Idee hinter der Innovation und stärkt die Marktposition des Unternehmens.

3. Produktveränderung


1 Produktvariation/Produktmodifikation

Um Kunden nicht zu verlieren wird überprüft ob die Produkte noch die Bedürfnisse der Kunden befriedigen können oder die Produkte modernisiert werden müssen. Das Ziel hierbei ist, das die Kurve im Produktlebenszyklus verlängert wird.

Beispiel: neue Verpackung, neue Rezeptur,…


2 Produktdifferenzierung

Das Produkt wird verändert bleibt aber gleichartig

Beispiel: Ein Unternehmen bietet statt nur schwarzen Fahrrädern, nun dieselben Fahrräder auch in den Farben weiß, blau und grün an.


3 Produktdiversifikation

Das Produktionsprogramm wird durch weitere Produkte erweitert.

Beispiel: Ein Unternehmen, das bisher nur Damen- und Herrenfahrräder produziert hat, bietet nun auch Kinderfahrräder an.

Man unterscheidet zwischen:

  1. Horizontale Diversifikation: Neue Produkte im gleichen Marktsegment, d.h. die neuen Produkte sind mit dem bestehenden Sortiment verwandt (z. B. eine Firma für Softdrinks bietet auch Säfte an).
  2. Vertikale Diversifikation: Erweiterung der Wertschöpfungskette, z.B. durch Herstellung von Vor- oder Zwischenprodukten (z. B. ein Bäcker verkauft nun auch Getreide aus eigener Herstellung; ein Möbelhersteller baut nun auch eigenes Holz an).
  3. Laterale Diversifikation: Neue Produkte, die nichts mit dem bisherigen Sortiment zu tun haben (z. B. ein Autohersteller verkauft jetzt auch Fahrräder; ein Elektronikkonzern verkauft jetzt auch Kosmetik).

Überblick: Produktpolitische Maßnahmen – Beispiel Automobilhersteller

BegriffDefinitionBeispiel AutomobilherstellerZiel
ProduktvariationVeränderung eines bestehenden Produkts (z. B. Design, Technik), ohne dass ein neues Produkt entstehtBestehendes Modell erhält neues Design, verbesserten Motor („Facelift“)Produkt aktuell halten, Kundenwünsche anpassen
ProduktdifferenzierungZusätzliches Anbieten mehrerer Varianten eines ProduktsModell XY als Kombi, SUV, Elektro- oder SportversionVerschiedene Zielgruppen bedienen
ProduktdiversifikationAufnahme neuer, anderer Produkte ins Sortiment – drei Arten:Neue Märkte erschließen, Risiko streuen
Horizontale DiversifikationErweiterung um Produkte auf derselben Produktions-/MarktstufeHersteller bietet zusätzlich Motorräder oder Wohnmobile anAngebot verbreitern, Kundenbindung erhöhen
Vertikale DiversifikationAusweitung auf vorgelagerte oder nachgelagerte ProduktionsstufenAufbau einer eigenen Batteriefertigung oder Eröffnung von AutohäusernWertschöpfungstiefe erhöhen, Abhängigkeiten reduzieren
Laterale DiversifikationEinstieg in völlig neue Märkte, ohne direkten Zusammenhang zum bisherigen KerngeschäftEinstieg in E-Bike-Produktion, Carsharing-Apps oder VersicherungenNeue Geschäftsfelder erschließen, Risiken verteilen

Aufgaben zum Beispiel Automobilhersteller

Aufgabe 1
Erklären Sie in einem Satz, was mit Produktvariation gemeint ist.

Aufgabe 2
Nenne zwei Unterschiede zwischen Produktdifferenzierung und Produktdiversifikation.

Aufgabe 3
Ordnen Sie zu: Handelt es sich um Produktvariation, -differenzierung oder -diversifikation?

a) Ein Automodell bekommt neue Scheinwerfer und eine modernere Innenausstattung.
b) Das Modell XY wird zusätzlich als Elektroversion angeboten.
c) Der Autohersteller steigt in die Herstellung von Fahrrädern ein.
d) Eine neue Geländewagen-Serie wird zusätzlich zu bestehenden Modellen eingeführt.

Aufgabe 4
Welche Aussagen zur Produktdifferenzierung treffen zu?

A) Produktdifferenzierung bedeutet die Verbesserung eines bestehenden Produkts.
B) Es entstehen neue Varianten eines Produkts, z. B. unterschiedliche Größen oder Ausstattungen.
C) Produktdifferenzierung ist ein Teil der Diversifikation.
D) Sie hilft dabei, unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.
E) Sie führt immer zu einer komplett neuen Produktlinie.

Aufgabe 5
Welche Aussagen zur Produktdiversifikation sind korrekt?

A) Sie beschreibt die Anpassung eines Produkts an neue Trends.
B) Laterale Diversifikation betrifft neue Produkte in bekannten Märkten.
C) Horizontale Diversifikation bedeutet, ein Produkt wird verändert.
D) Vertikale Diversifikation kann bedeuten, dass ein Unternehmen eigene Ersatzteile produziert.
E) Laterale Diversifikation bedeutet, ein Unternehmen bietet ein völlig anderes Produkt in einem neuen Markt an.

Aufgabe 6
Ein Autohersteller hat bisher nur Limousinen produziert. Nun möchte er sich breiter aufstellen. Überlegen Sie sich zu jedem der drei Diversifikationstypen ein passendes Beispiel.


Aufgaben Produktdifferenzierung

Aufgabe 1
Was versteht man unter einer Produktvariation? Geben Sie ein Beispiel an.

Aufgabe 2
Ein Autohersteller bietet ein Modell in unterschiedlichen Ausstattungsvarianten an (z. B. Basisversion, Sportversion und Luxusversion). Handelt es sich hierbei um Produktdifferenzierung oder Produktvariation? Begründen Sie ihre Antwort.

Aufgabe 3
Ein Bekleidungsunternehmen bringt eine Premium-Linie mit hochpreisiger Designermode auf den Markt, während es weiterhin seine Standard-Kollektion anbietet. Handelt es sich hier um eine Produktdifferenzierung oder eine Produktdiversifikation? Begründen Sie ihre Antwort.

Aufgabe 4
Kreuzen Sie an:

Beispiel ProduktdiversifikationHorizontalVertikalLateral
1. Ein Fahrradhersteller bietet nun E-Bikes an.
2. Ein Möbelhersteller eröffnet ein eigenes Sägewerk.
3. Ein Shampoo-Hersteller bringt Duschgels auf den Markt.
4. Ein Sportartikelhersteller verkauft ab jetzt Sportgetränke.
5. Ein Automobilkonzern produziert jetzt auch eigene Batterien.
6. Eine Bäckerei bietet jetzt auch Catering-Dienstleistungen an.
7. Ein Computerhersteller verkauft jetzt auch Bekleidung.

4. Produkteliminierung

Die Produkte, welche Unternehmen nicht mehr weiterbringen und womöglich keine Gewinne mehr erwirtschaften, werden eliminiert (nicht mehr produziert und/oder verkauft).

Unternehmen müssen bei der Eliminierung eines Produkts schnell handeln. Falsche Produkte kosten Unternehmen viel Geld.


5. Marktwachstums-Marktanteils-Portfolio

Boston-Consulting-Group Matrix = Portfolioanalyse

  • Die BCG-Matrix ist ein Hilfsmittel zur Einordnung von Produkten.
  • Zwischen der BCG-Matrix und dem Produktlebenszyklus besteht ein enger Zusammenhang: idealtypisch durchläuft ein Produkt alle Lebensphasen und entspricht damit jeweils einem Feld der BCG-Matrix.
  • y-Achse: Marktwachstum in %; x-Achse: relativer Marktanteil
  • Die daraus entstehende Matrix ist in vier Felder aufgeteilt. Jedes Feld entspricht einem strategischen Geschäftsfeld und verlangt unterschiedliche Handlungen durch das Management (=Normstrategien).

Relativer Marktanteil

Der relative Marktanteil vergleicht das eigene Produkt mit dem des stärksten Konkurrenten. Es ist ein Maß für die gegenwärtige Wettbewerbsposition.

FeldMarktwachstumrel. MarktanteilProduktlebenszyklus
Question-MarkshochniedrigEinführungsphase
StarshochhochWachstumsphase
Cash-CowsgeringhochSättigungsphase
Poor DogniedrigniedrigDegenerationsphase (Rückgang)

Question-Marks (Fragezeichen):

  • Nach der Produktentwicklung wird das Produkt in den Markt eingeführt.
  • Wie sich das Produkt weiter entwickelt ist noch nicht absehbar.
  • Es verfügt über ein hohes Marktwachstum, es ist aber noch nicht klar ob es sich gegen Konkurrenzprodukte am Markt durchsetzen kann. hohe Investitionskosten, viel Werbung

Stars (Sterne):

  • Die Einführungsphase wurde erfolgreich gemeistert.
  • Der Marktanteil wächst. Erwirtschaftete Gewinne werden in die Erhöhung und Festigung des Marktanteils investiert

Cash-Cows (Geldkühe):

  • Im Vordergrund steht die Abschöpfung Erwirtschaftete Gewinne werden in andere Produkte investiert (z.B. Question Marks) Zwei strategische Möglichkeiten: 1. Produktvariation (die Cash-Cow kann dann wieder zum Question-Mark oder Star werden) ODER 2. es wird nicht gemacht, die Cash-Cow wird dann zum Poor Dog.

Poor Dog (Armer Hund):

  • Das Produkt ist ein Auslaufmodell. Zwei strategische Möglichkeiten: 1. Produktvariation (Der Poor Dog kann dann wieder zum Question-Mark oder Star werden) ODER 2. das Produkt wird vom Markt genommen.


Übersicht der Normstrategien der BCG-Matrix:

QuadrantStrategieErklärung
StarsInvestitionsstrategieWeiter investieren, um Marktführerschaft zu sichern und vom Marktwachstum zu profitieren.
Cash CowsAbschöpfungsstrategieGewinne abschöpfen und minimal investieren, da das Produkt stabile Einnahmen liefert.
Question MarksSelektionsstrategieEntscheiden, ob das Produkt durch Investitionen zum „Star“ werden kann oder ob es eingestellt wird.
DogsDesinvestitionsstrategieProdukt aus dem Markt nehmen, da es weder hohen Marktanteil noch Wachstum aufweist.

Die Normstrategien helfen Unternehmen, ihre Ressourcen effizient zu nutzen und ihre Produktportfolios strategisch auszurichten:

Aufgabe

Welche Normstrategien würden Sie dem obigen Unternehmen für die Produkte A - E empfehlen?

Zusammenhang der BCG-Matrix mit dem Produktlebenszyklus

==Vorteile der BCG-Matrix==

  • jedes einzelne Produkt kann bewertet und eingeordnet werden
  • aus der jeweiligen Position lässt sich eine Strategie ableiten
  • übersichtliche Darstellung
  • praktische Entscheidungshilfe

==Nachteile der BCG-Matrix==

  • nur vereinfachte Abbildung
  • Abhängigkeiten werden ignoriert
  • nur eine Momentaufnahme
  • nicht jedes Produkt folgt dem typischen Produktlebenszyklus

Beispiel Apple

Ordnen Sie die folgenden Produkte in die BCG-Matrix ein:

iPhone; Mac, iPad, iPod, Apple Vision Pro

Aufgabe 1

Ein Unternehmen bietet sechs Produkte auf dem Markt an:

ProduktRel. MarktanteilMarktwachstumUmsatz
A1,4 %18 %200.000
B1,6 %8 %250.000
C1,2 %6 %200.000
D1,6 %4 %100.000
E0,8 %5 %100.000
F0,5 %2 %200.000

a) Tragen Sie die Produkte in die BCG-Matrix ein. Jedes Produkt wird durch einen Kreis dargestellt. Die Größe der Kreise soll den jeweiligen Umsatz symbolisieren.

b) Bewerten Sie das Unternehmen.

c) Begründen Sie wie das Unternehmen weiter handeln sollte.

d) Welche Gründe könnten für den Erhalt der Produkte E und F sprechen?

e) Welche Gründe könnten für die Eliminierung der Produkte E und F sprechen?

Aufgabe 2

Ein Unternehmen macht mit einem Produkt Verlust. In welcher Phase des Produktlebenszyklus befindet sich das Produkt und welche Strategien können sinnvoll angewendet werden?

Aufgabe 3

Ein Unternehmen hat folgendes Portfolio erstellt:

a) Bewerten Sie die Situation im Unternehmen.
b) Welche Strategie würden Sie dem Unternehmen empfehlen?