6. Deckungsbeitragsrechnung

Bei der Deckungsbeitragsrechnung werden die Kosten in fixe und variable Kosten aufgeteilt

Deckungsbeitrag = Preis - variable Kosten

db = p - kv (Deckungsbeitrag pro Stück = Preis - variable Kosten pro Stück)
DB = E - Kv (Deckungsbeitrag gesamt = Erlöse - gesamte variable Kosten)

1. Ermittlung der Preisuntergrenzen

Die kurzfristige (absolute) Preisuntergrenze liegt bei dem Preis, der die variablen Stückkosten abdeckt

p = kv

Der Deckungsbeitrag ist hier Null: db = p - kv = 0

Die langfristige Preisuntergrenze liegt bei dem Preis, der die enstandenen Selbstkosten pro Stück abdeckt.

Durch die Vorgabe von Preisuntergrenzen wird die Absatzpolitik (Verkaufspolitik) des Unternehmens flexibler/beweglicher.

Es besteht hierbei aber die Gefahr, eine zu nachgiebige Preispolitik zu betreiben und eine vollständige Kostendeckung zu vernachlässigen.

Aufgabe 1


Ein Industrieunternehmen stellt nur ein Produkt her. Für den Monat Februar werden folgende Daten ausgewiesen:
variable Stückkosten: 60 Euro

Fixkosten: 115.000 Euro

Produktionsmenge: 7000 Stück
a) Berechnen Sie die kurzfristige Preisuntergrenze.

b) Berechnen Sie die langfristige Preisuntergrenze.

Aufgabe 2

a) Definieren Sie die “kurzfristige Preisuntergrenze” und “langfristige Preisuntergrenze”.

b) Begründen Sie, ob ein Industriebetrieb langfristig überleben kann, wenn er die Preise für seine Erzeugnisse an der langfristigen Preisuntergrenze ausrichtet.

c) Die Kostenrechnung eines Industriebetriebs liefert uns für den Monat Januar folgende Daten:

Produkt AProdukt B
Produktions- und Absatzmenge700 Stück1300 Stück
Listenverkaufspreis pro Stück580 Euro410 Euro
Kundenrabatt10%12 %
Kundenskonto3 %2 %
Vertreterprovision (zum Zielverkaufspreis)5 %7 %
Variable Kosten pro Stück280 Euro302 Euro

Fixe Kosten: 98.500 Euro

c1) Bestimmen Sie den Deckungsbeitrag (DB) für die Produkte A und B.

Füllen Sie dazu folgende Tabelle aus:

Produkt AProdukt B
Listenverkaufserlöse (p · x)
- Kundenrabatt
= Zielverkaufspreis
- Vertreterprovision
- Kundenskonto
= Nettoverkaufserlös
- variable Kosten
= Deckungsbeitrag

c2) Geben Sie die absolute Preisuntergrenze für die Produkte A und B an.

Aufgabe 3

In einem Einproduktunternehmen können zurzeit monatlich 20.000 Stück des Produkts A hergestellt werden.

Die Gesamtkosten im Monat Juni betragen 289.200 Euro, die variablen Stückkosten sind mit 9,20 Euro angegeben. Alle 20.000 Stück wurden am Markt zu einem Nettoverkaufserlös von 20,20 Euro abgesetzt.

a) Berechnen Sie den Deckungsbeitrag je Stück.

b) Bei welchem Betrag liegt die absolute Preisuntergrenze?

c) Bei welchem Betrag liegt die langfristige Preisuntergrenze?

2. Annahme und Ablehnung des Zusatzauftrags

Unter Zusatzaufträgen verstehen wir solche Aufträge, die unterhalb der derzeitigen Verkaufspreise angenommen werden.

Ein Zusatzauftrag führt dann zu einer Verbesserung des Betriebsgewinns, wenn die Nettoverkaufserlöse höher liegen als die variablen Kosten des Auftrags. Die fixen Kosten können außer Betracht bleiben, da sie ja unabhängig davon anfallen, ob der Zusatzauftrag angenommen wird oder nicht. Der erzielbare Deckungsbeitrag ist somit das Kriterium für die Annahme oder Ablehnung des Zusatzauftrages.

Sofern mit einem Zusatzauftrag ein positiver Deckungsbeitrag erzielt werden kann, lohnt sich die Hereinnahme des Zusatzauftrages auch im Fall eines Betriebsverlusts. Ein positiver Deckungsbeitrag trägt dann dazu bei, den Betriebsverlust zu verringern.

Für die Annahme oder Ablehnung eines Zusatzauftrages gilt:

Deckungsbeitrag > 0 Annahme des Zusatzauftrages Deckungsbeitrag < 0 Ablehnung des Zusatzauftrages

Zusatzaufträge tragen zur besseren Produktionsauslastung und zur Arbeitsplatzerhaltung bei.

Aufgabe 1

Im laufenden Monat ist folgende Produktions- und Absatzsituation gegeben:

Produkt AProdukt B
Nettoverkaufserlös198 Euro270 Euro
variable Stückkosten112 Euro120 Euro
Absatzmenge700 Stück950 Stück
Kapazität900 Stück1200 Stück

Fixe Kosten: 150.000 Euro

Das Unternehmen hat die Möglichkeit, von Produkt B 210 Stück zum Preis von 180 Euro als Sondermodell zu verkaufen.

Prüfen Sie, ob sich die Hereinnahme des Zusatzauftrages lohnt.

Aufgabe 2

Ein Industriebetrieb verfügt über freie Kapaziät. Er fertigt die Produkte A, B und C. Ein Großhändler erteilt einen Zusatzauftrag über 2000 Stück des Produktes B als Sondermodell, wenn dieses zu einem Listenverkaufspreis von 46,20 Euro geliefert werden kann.

Folgende Daten liegen vor:

Produkt AProdukt BProdukt CZusatzauftrag
Nettoverkaufserlös33,6058,8095,20
variable Stückkosten25,2039,2060,2042,00
Absatzmenge in Stück1400300021002000
Kapazität in Stück150060002700

Die fixen Kosten betragen insgesamt 82000 Euro.

a) Entscheiden Sie, ob es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten empfehlenswert ist, den Zusatzauftrag anzunehmen.

b) Berechnen Sie den neuen Betriebsgewinn bei Annahme des Zusatzauftrages.

c) Bestimmen Sie die absolute Preisuntergrenze für die Hereinnahme des Zusatzauftrages.

Aufgabe 3

Beschreiben Sie die Rolle des Stückdeckungsbeitrags bei der Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung eines Auftrages.

3. Produkteleminierung

Produkte die einen negativen Deckungsbeitrag ausweisen, sollten nicht mehr produziert und verkauft werden.

Negativer Deckungsbeitrag Nettoverkaufserlös (Preis) < variable Stückkosten

Aufgabe 1

Ein Industrieunternehmen produziert drei verschiedene Produkte.

Produkt AProdukt BProdukt C
Nettoverkaufserlös142033907710
variable Stückkosten160029105850
Absatzmenge in Stück203015
Kapazität255030

Fixe Kosten: 45100 Euro

a) Berechnen Sie den Betriebsgewinn bzw. Betriebsverlust.

b) Erläutern Sie, welches Produkt aus dem Produktionsprogramm genommen werden sollte.

c) Das Unternehmen entscheidet sich weiterhin alle drei Produkte zu produzieren um das Produktionsprogramm zu vervollständigen. Es erhält einen Zusatzauftrag über 12 Stück von Produkt C zum Festpreis von je 6200 Euro. Das Industrieunternehmen nimmt den Zusatzauftrag an.

c1) Berechnen Sie den Betriebsgewinn bzw. Betriebsverlust.

4. Optimales Produktionsprogramm

Für die Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms muss das Unternehmen die relativen Deckungsbeiträge der Produkte kennen.

Der relative Deckungsbeitrag ergibt sich, wenn der Stückdeckungsbeitrag in Beziehung zu einem Engpassfaktor gesetzt wird. Dieser Engpass ergibt sich z. B. durch die begrenzte Verfügbarkeit einer Produktionsmaschine.

Beispiel

Produkt AProdukt B
Verkaufspreis100 Euro85 Euro
variable Kosten60 Euro25 Euro
Laufzeit Maschine2 Stunden4 Stunden
maximale Produktions- und Absatzmenge pro Tag3 Stück2 Stück

a) Berechnen Sie die absoluten und relativen Deckungsbeiträge.

b) Erklären Sie, wie sich das optimale Produktionsprogramm zusammensetzt.

Aufgabe 1

entnommen aus Schmolke/Deitermann, Industrielles Rechnungswesen, S. 478, Aufgabe 564

In einem Industrieunternehmen werden fünf unterschiedliche Erzeugnisse unter folgenden Bedingungen hergestellt.

ErzeugnisgruppeNettoumsatz je StückVariable Stückkosten
A3,50 Euro1,90 Euro
B2,80 Euro1,10 Euro
C5,20 Euro3,10 Euro
D7,40 Euro3,80 Euro
E4,10 Euro2,20 Euro

Die fixen Gesamtkosten betragen 52.200,00 Euro.

In der gemeinsamen Engpassstufe können monatlich maximal 6400 Fertigungsstunden geleistet werden.

Der Zeitbedarf in dieser Stufe beträgt je Stück:

ABCDE
10 min5 min12 min15 min10 min

Die absetzbare Stückzahl beträgt:

ABCDE
9000120008000800015000

Ermitteln Sie das optimale Produktionsprogramm und berechnen Sie das Ergebnis.


Zusatzaufgabe: Wie lautet die Lösung, wenn in der Engpassstufe nicht mit der maximalen Leistung von 6400 Fertigungsstunden gearbeitet wird, sondern mit optimaler Leistung, die 90 % der maximalen Leistung beträgt?

Lösung Aufgabe 1

Erzeugnis- gruppeStück-DBFertigungszeit in minrelativer DB (Euro/Min)Rang
A1,60100,165
B1,70100,341
C2,10120,1754
D3,60150,242
E1,90100,193

Berechnung Fertigungszeit B: 5 Minuten \cdot 12000 Stück \cdot = 60000 Minuten / 60 = 1000 Fertigungsstunden

Erzeugnis- gruppeRangabsetzbare MengeFertigungs-zeitProduktions-menge
B112000100012000
D2800020008000
E315000250015000
C480009004500
A59000--

Berechnung Betriebsergebnis:

Euroinsg. Euro
DB B20400
DB D28800
DB E28500
DB C9450
DB insgesamt87150
- Fixe Kosten52200
Betriebsgewinn34950

Zusatzaufgabe: 90 % von 6400 Stunden = 5760 Stunden

Erzeugnis- gruppeRangabsetzbare MengeFertigungs-zeitProduktions-menge
B112000100012000
D2800020008000
E315000250015000
C480002601300
A59000--

Berechnung Betriebsergebnis:

Euroinsg. Euro
DB B20400
DB D28800
DB E28500
DB C2730
DB insgesamt80430
- Fixe Kosten52200
Betriebsgewinn28230

Aufgabe 2

entnommen aus Schmolke/Deitermann, Industrielles Rechnungswesen, S. 478, Aufgabe 567

Die Montageabteilung eines Industriebetriebes soll die Fertigung eines neuen Gerätes Typ G übernehmen, obwohl sie bereits an der Kapazitätsgrenze arbeitet. Bisher werden in dieser Abteilung drei Geräte montiert:

GerätFertigungszeit Min/StückDeckungsbeitrag
Typ C12 Min/Stück25 Euro
Typ D15 Min/Stück31 Euro
Typ E10 Min/Stück19 Euro

Das Gerät Typ G benötigt eine Montagezeit von 7,5 Minuten je Stück, es kann zu einem Nettoverkaufspreis von 41 Euro abgesetzt werden und verursacht variable Stückkosten von 26 Euro.

Lohnt es sich, vorübergehend die Fertigung eines Gerätes zugusten des neuen Gerätes einzuschränken? Welches Gerät wird ggf. mit geringeren Stückzahlen produziert?

Lösung Aufgabe 2

Erzeugnis- gruppeStück-DBFertigungszeit in minrelativer DB (Euro/Min)Rang
C25122,081
D31152,072
E19101,904
G157,502,003

Ergebnis: Es lohnt sich, Typ G zu fertigen und dafür Typ E aus der Produktion herauszunehmen.

Aufgabe 3

entnommen aus Schmolke/Deitermann, Industrielles Rechnungswesen, S. 478, Aufgabe 569

Ein Unternehmen stellt u.a. Graugussteile her. Die Kapazität ist auf 10000 Stück je Monat ausgelegt. Für den Monat März lieferte die Kostenrechnung folgende Zahlen:

ProduktionVariable GesamtkostenFixe GesamtkostenUmsatzerlöse
8500 Stück244.800 Euro180.200 Euro510.000 Euro

Nr. 1

Die Absatzentwicklung der letzten Monate lässt für den kommenden Monat einen Rückgang des Absatzes auf 7500 Stück befürchten.

a) Zu welchem Preis müsste die Produktion bei unveränderten fixen Kosten abgesetzt werden? (unveränderter Gewinnzuschlag: 20 %)

b) Welche Preisfestsetzungen könnte die Unternehmensleitung kurzfristig beschließen, wenn sich der unter a) errechnete Preis nicht auf dem Markt durchsetzen lässt?

Nr. 2

Besondere absatzpolititsche Maßnahmen haben die unter 1. befürchtete Entwicklung nicht eintreten lassen. Die Unternehmensleitung rechnet nun für den Folgemonat mit Aufträgen über 8000 Stück, die zum gleichen Preis abgesetzt werden können. Zusätzlich kann die Unternehmung einen Auftrag über 1000 Stück erhalten, wenn ein Stückpreis von 30 Euro akzeptiert wird.

a) Untersuchen Sie, ob sich die Annahme des Zusatzauftrags lohnt.

b) Welche Auswirkung auf das Betriebsergebnis ergäbe sich, wenn der Auftrag angenommen wird.

Nr. 3

Langfristig rechnet die Unternehmensleitung mit einem Rückgang des Absatzes auf 5000 Stück. Unter dieser Annahme wird geplant, die Produktion der Graugussteile aus dem Produktionsprogramm zu streichen. Hierdurch könnten die Fixkosten um 40.000 Euro abgebaut werden.

Lohnt sich die Herausnahme des Produktes aus dem Produktionsprogramm?

Nr. 4

Wegen der schlechten Absatzlage bei Graugussteilen stellt das Unternehmen die Produktion auf Kunststoff-Spritzgussteile um. Drei Erzeugnisse werden unter folgenden Bedingungen produziert und angeboten:

ErzeugnisVariable StückkostenNettoverkaufspreis
A2,40 Euro2,70 Euro
B1,60 Euro1,85 Euro
C2,00 Euro2,40 Euro

Die fixen Gesamtkosten betragen 90.000 Euro pro Monat

a) Bestimmen Sie das Betriebsergebnis, wenn von A 150.000,00 Stück, von B 200.000,00 Stück und von C 120.000 Stück monatlich absetzbar sind und kein betrieblicher Engpass vorliegt.

b) Die Produkte werden in Serie auf getrennten Gussanlagen gefertigt; sie durchlaufen gemeinsam eine Kontroll-, Prüf- und Verpackungsabteilgung, die mit 12.400 Stunden je Monat belastet werden kann. Für das Produkt A werden 2,4 Minuten/Stück, für B 1,5 Minuten/Stück und für C 1,8 Minuten/Stück verbraucht.

Bestimmen Sie unter den genannten Bedingungen das optimale Produktionsprogramm.

Lösung Aufgabe 3

Nr. 1

a)

Berechnung
K (7500) = 28,80 · 7500 + 180.200396.200
+ 20 % Gewinn79.240
= kalkulierte Umsatzerlöse475.440

Stückpreis = 63,39 Euro

b) Kurzfristig könnte auf den Ersatz der fixen Kosten verzichtet werden. Der Preis beinhaltet dann nur die variablen Stückkosten (28,80 Euro). Zwischen 28,80 Euro und 63,39 Euro wäre dann jeder Preis akzeptabel.


Nr. 2

Im März wurde ein Preis von realisiert.

Dieser Preis gilt auch für alle Verkäufe im Monat April. Bei einer Absatzmenge von 8000 Stück ergibt sich folgende Kalkulation:

Berechnung
Umsatzerlöse (60 · 8000)480.000
- Variable Kosten (28,80 · 8000)230.400
= Deckungsbeitrag249.600
- Fixe Kosten180.200
= Gewinn69.400

a) In dieser Situation ist die Annahme des Zusatzauftrags vorteilhaft. Die Umsatzerlöse aus der laufenden Produktion decken bereits die gesamten fixen Kosten ab. Der Zusatzauftrag muss lediglich die variablen Kosten erbringen. Bei einem Preis von 30 Euro ist das der Fall.

b) Der Zusatzauftrag erhöht den Betriebsgewinn um 1000 Stück · (30,00 - 28,80) = 1200 Euro. Der neue Betriebsgewinn beträgt 70600 Euro.


Nr. 3

Unter der Annahme, dass sich 5000 Stück zum Preis von 60 Euro absetzen lassen, ergibt sich folgende Kalkulation:

Euro
Umsatzerlöse300.000
- Variable Kosten (5000 · 28,80)144.000
= Deckungsbeitrag156.000
- Fixe Kosten180.200
= Betriebsverlust24.200