7. Eigenfertigung oder Fremdbezug - Make or Buy
→ Es ist die Entscheidung zu treffen, ob bestimmte Teile selbst hergestellt oder von einem Zulieferer bezogen (=gekauft) werden sollen.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Fixkosten | Kosten, die immer anfallen, egal ob produziert wird oder nicht, z.B. Miete, Grundgebühr,… |
| Variable Kosten | Kosten die nur anfallen, wenn produziert wird, z.B. Rohstoffe,… |
| Großbuchstaben | gesamte Mengen/Kosten/Zeit/… |
| Kleinbuchstaben | pro Einheit/Stück… |
| Kfix | gesamte Fixkosten |
| KEF | Gesamtkosten Eigenfertigung |
| KFB | Gesamtkosten Fremdbezug |
| kv | variable Stückkosten, variable Kosten pro Stück |
| p | Preis pro Stück |
| x | Menge |
| xkrit | kritische Menge |
Es gibt drei mögliche Szenarien
| Nr. | Beschreibung |
|---|---|
| 1 | Unsere Produktion ist bereits voll ausgelastet. Für eine Ausweitung der Produktion müssen zunächst Investitionen getätigt werden. Dadurch entstehen zusätzliche Fixkosten (z.B. Abschreibungen von Maschinen, Personalkosten). Die bei Eigenproduktion anfallenden Gesamtkosten bestehen also aus variablen Kosten und fixen Kosten. Die bei Fremdbezug entstehenden Kosten (Preis * Menge) müssen mit den bei Eigenfertigung entstehenden Gesamtkosten (Fixkosten + variable Kosten * Menge) verglichen werden. (Vergleich auf Vollkostenbasis) |
| 2 | Unsere Produktion ist noch nicht voll ausgelastet, wir haben freie Kapazitäten. Durch die Eigenfertigung können unsere Produktionsanlagen besser ausgelastet werden. Es werden keine zusätzlichen Investitionen oder Personal benötigt. Hier werden bei einem Vergleich nur die variablen Kosten den Kosten des Fremdbezugs gegenübergestellt (Vergleich auf Teilkostenbasis). |
| 3 | Unsere Produktion ist noch nicht voll ausgelastet, aber die Kapazitätsreserven sind begrenzt. Die Kapazitätsreserven reichen nicht aus um alle Teile selbst herstellen zu können, deren variable Kosten unter dem Bezugspreis liegen. Hier entsteht ein Engpassproblem. |
Einfaches Beispiel
Bei der Eigenfertigung enstehen jeweils 60.000 Euro Fixkosten. Weitere Angaben über die Bedarfsmengen:
| Menge | günstigster Fremdbezugspreis (in Euro) | Variable Stückkosten bei Eigenfertigung (in Euro) | Fixkosten (in Euro) | |
|---|---|---|---|---|
| x | p | kv | Kfix | |
| Produkt 1 | 77.000 | 135,50 | 120,00 | 60.000 |
| Produkt 2 | 80.000 | 180,00 | 162,00 | 60.000 |
| Produkt 3 | ? | 212,00 | 200,00 | 60.000 |
Berechnung Produkt 2
a) Berechnung der Kosten des Fremdbezugs
Gesamtkosten Fremdbezug = Preis · Menge
KFB = p · x
KFB = 180 · 80.000
KFB = 14.400.000 Euro
b) Berechnung der Kosten der Eigenfertigung
Gesamtkosten Eigenfertigung = variable Stückkosten · Menge + Fixkosten
KEF = kv · x + Kfix
KEF = 162 · 80.000 + 60.000
KEF = 13.020.000 Euro
c) Ergebnis für Produkt 2
Eigenfertigung ist um 1.380.000 Euro günstiger (14.400.000 - 13.020.000)
d) Berechnung der kritischen Menge → jetzt ist x gesucht!
KEF = KFB
kv · x + Kfix = p · x
162x + 60.000 = 180x | - 162x
60.000 = 18x | : 18
x = 3333,33 Stück
Ergebnis:
Die kritische Menge beträgt 3334 Stück (Hinweis: Immer aufrunden!)
Beispiel mit Einbezug der Opportunitätskosten
Einfache Erklärung mit Beispielen und Quiz
Hinweis zu einer Frage beim Quiz (“Wie berechnet man die Opportunitätskosten einer dreijährigen Fortbildung, die den Jahreslohn um 10.000 € steigert?“): Die richtige Antwort ist falsch formuliert - lassen Sie sich nicht verwirren! Die Info zur Lösung ist korrekt.
Einfache Erklärung mit Beispielen
Das erste einfache Beispiel wurde mit der Vollkostenrechnung gelöst, das führt unter Umständen zu falschen Ergebnissen, weil
… in der Vollkostenkalkulation auch fixe Kosten angesetzt werden, die durch die bisherige Beschäftigung bereits in voller Höhe erfasst werden → Fixe Kosten bleiben unberücksichtigt.
→ Bei der Berechnung der Kosten für die Eigenfertigung werden nur die zusätzlich anfallenden variablen Kosten berücksichtigt.
Beispiel
Das Unternehmen Schmolmann KG stellt Stahlblechgehäuse Typ G I selbst her, während es die Gehäusedeckel Typ G I von einen Zulieferer zum Bezugspreis von 6,50 Euro/Stück bezieht. Die Geschäftsleitung plant die Deckel Typ G I auf vorhandenen Stanzen und Pressen selbst herzustellen. Diese Maschinen sind derzeit mit der Produktion von Deckeln Typ G II ausgelastet. Die Deckel Typ G II haben einen (angenommenen) Verkaufspreis von 6,50 je Stück.
Die Fertigungsplanung liefert folgende Zahlen:
Maschinenstundensätze:
- Stanze - 25 Euro
- Presse - 31 Euro
einheitlicher Lohnstundensatz - 30 Euro
Fertigungsgemeinkostenzuschlag - 14 %Deckel G I
- Fertigungsmaterial je Stück - 1,40 Euro
- Materialgemeinkosten - 3,5 %
- Bearbeitungszeit je Stück und Maschine - 1,2 Minuten
Deckel G II
- Fertigungsmaterial je Stück - 1,73 Euro
- Materialgemeinkosten - 3,5 %
- Bearbeitungszeit je Stück und Maschine - 1,5 Minuten
Aufgabe 1
Quelle: Schmolke, Deitermann: Aufgabe 571, S. 483.
Ein Maschinenbauunternehmen hat bisher Messingventile, die in eigene Erzeugnisse eingebaut werden, zu folgenden Bedingungen fremdbezogen:
Listeneinkaufspreis je Stück: 52 Euro
Bei Abnahme von mehr als 5000 Stück werden 15 % Mengenrabatt gewährt.
Zahlungsbedingungen: bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen 2 % Skonto, innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug.
Die Bezugskosten (Fracht, Verpackung) werden mit 0,70 Euro je Stück kalkuliert.
Das Unternehmen hat freie Kapazitäten zur Verfügung, die es ihm gestatten, die Ventile unter folgenden Bedingungen selbst zu fertigen:
Fertigungsmaterial je Stück 9,50 Euro
Löhne für Schneiden, Drehen, Fräsen, Bohren und Gewindeschneiden je Stück 35,50 Euro (die Arbeiter sind bei vollem Lohnausgleich unterbeschäftigt).
An Gemeinkosten werden verrechnet: 12 % Materialgemeinkosten, davon gelten 30 % als variabel; 220 % Fertigungsgemeinkosten, davon gelten 45 % als variabel.
Entscheiden Sie, ob die Eigenfertigung günstiger ist als der Fremdbezug.
Aufgabe 2
Quelle: Schmolke, Deitermann: Aufgabe 572, S. 483.
Ein Unternehmen, das Elektogeräte herstellt, bezieht die Gehäuse für das Gerät “Maximus II” zum Bezugspreis von 64,50 Euro je Stück. Die technischen Einrichtungen des Unternehmens gestatten es, dieses Gehäuse selbst zu fertigen. Die Eigenfertigung würde folgende Kosten verursachen:
- Fertigungsmaterial je Gehäuse: 17,20 Euro
- Die Fertigungslöhne werden mit einem Stundensatz von 31 Euro verrechnet
- Die Fertigungszeit für ein Stück beträgt 24 Minuten
Da der Betrieb Kurzarbeit eingeführt hat, fallen bei Erhöhung des Beschäftigungsgrades die Fertigungslöhne als variable Kosten an. Die Materialgemeinkosten sind mit einem proportionalen Anteil von 4 %, die Fertigungsgemeinkosten mit einem proportionalen Anteil von 80 % zu berücksichtigen.
Untersuchen Sie, ob sich die Eigenfertigung aus Kostensicht lohnt.
Aufgabe 3
Quelle: Schmolke, Deitermann: Aufgabe 573, S. 483.
Ein Maschinenbauunternehmen bezieht einen stufenlosen elektronischen Regler von einem Zulieferer zum Bezugspreis von 102,50 Euro je Stück. Die Geschäftsleitung plant diesen Regler selbst herzustellen. Wegen der ausgelasteten Kapazität müsste aber die Produktion einer Schaltung eingestellt und diese Schaltung fremdbezogen werden. Die Schaltung hat einen Verkaufspreis von 60,80 Euro.
Die Fertigungplanung liefert folgende Zahlen: Fertigungslöhne:
einheitlicher Lohnstundensatz: 27,50 Euro
proportionale Fertigungsgemeinkosten: 60 %
Regler:
Fertigungsmaterial: 32 Euro
proportionale Materialgemeinkosten: 4 %
Fertigungszeit je Regler: 30 Minuten
Schaltung:
Fertigungsmaterial: 18 Euro
proportionale Materialgemeinkosten: 4 %
Fertigungszeit je Schaltung: 20 Minuten
Entscheiden Sie, ob die Reglerproduktion zugunsten der Schalterproduktion aufgenommen werden soll.
Wie wäre zu entscheiden, wenn der fiktive Verkaufspreis für einen Schalter 70 Euro beträgt? Argumentieren Sie in diesem Fall nicht nur unter Kostengesichtspunkten.
Aufgabe 4
Quelle: Schmolke, Deitermann: Aufgabe 574, S. 483.
Welche Gesichtspunkte sind bei der Entscheidung “Eigenfertigung oder Fremdbezug” zu berücksichtigen?
Erläutern Sie den Begriff “Opportunitätskosten”.