Kostenstellenrechnung

Kostenstellenrechnung - Wo fallen die Kosten an?

  • Die Gemeinkosten, die für alle Kostenträger gemeinsam entstehen, könnten den Kostenträgern im Verhältnis zu den in der Abrechnungsperiode aufgewendeten Einzelkosten in einem prozentualen Zuschlag zugerechnet werden.

  • Dieses Verfahren ist jedoch ungenau, weil es voraussetzt, dass Einzelkosten und Gemeinkosten stets in gleichem Verhältnis bei allen Produkten anfallen.

  • In Wirklichkeit beanspruchen jedoch die Kostenträger die einzelnen Abteilungen und Werkstätten des Betriebes unterschiedlich.

  • Durch die Bildung von Kostenstellen, auf die die Gemeinkosten verteilt werden, können die Erzeugnisse mittelbar mit den Kosten belastet werden, die sie verursacht haben

Gliederung des Betriebs in Kostenstellen

  • Funktionelle Kriterien

  • Räumliche Kriterien

  • Organisatorische Kriterien

  • Rechnungstechnische Kriterien

Arten von Kostenstellen

Hauptkostenstellen: alle Kostenstellen, deren Kosten mit den Zuschlagsätzen auf den Kostenträger verrechnet werden.

Hilfskostenstellen: Kostenstellen, die ihre Leistung nicht an die Produkte sondern an andere Kostenstellen abgeben Umlegung auf Hauptkostenstellen

Zweck der Kostenstellenrechnung:

  • Kontrolle der Gemeinkosten durch Schaffung von Verantwortungsbereichen.
  • Verursachungsgerechte Verrechnung der Gemeinkosten auf die Kostenträger in Mehrproduktionsbetrieben, bei denen die Erzeugnisse die einzelnen Kostenstellen unterschiedlich beanspruchen.

Merke

Eine Kostenstelle ist ein räumlich, organisatorisch und verantwortungsmäßig abgegrenzter Teilbereich eines Betriebs zur Erfassung der Gemeinkosten am Ort ihrer Entstehung.

Außer den Hauptkostenstellen können sogenannte Hilfskostenstellen (Vorkostenstellen) gebildet werden. Diese sind Kostenstellen, deren Kosten nicht über Kostenträger, sondern über die Hauptkostenstellen verrechnet werden (mehrstufige Kostenstellenrechnung mehrstufiger Betriebsabrechnungsbogen)

Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist eine tabellarische Form der Kostenstellenrechnung.

Grundstruktur: In der horizontalen Ebene werden die einzelnen Kostenstellen angeordnet. In der vertikalen Ebene werden die von der Kostenartenrechnung übernommenen Gemeinkosten zeilenweise aufgelistet. Die Gliederung der Kostenarten in der Kostenstellenrechnung orientiert sich grundsätzlich an den Vorgaben der Kostenartenrechnung.

Schema:

Gemein-
kosten
EURVerteilungs-
grundlage
Kosten-
stellen
ABCD

Die Verteilung der Gemeinkosten erfolgt entweder…

  • direkt aufgrund der einer Kostenstelle zurechnebaren Belege (direkte Gemeinkosten/Stelleneinzelkosten) oder

  • indirekt über Verteilungsschlüssel (indirekte Gemeinkosten, Stellengemeinkosten).

Schritte bei der Erstellung des Betriebabrechnungsbogens (BAB)

Schritt 1: Aufnahme der primären GK

Aufnahme aller Gemeinkosten

Schritt 2: Verteilung der primären GK nach dem Verursachungsprinzip

BAB ist eine Kostenverrechnungstabelle, in der für jede Kostenstelle eine Spalte geführt wird.

  • direkte Verteilung: auf Basis von Belegen (= Stelleneinzelkosten)

  • indirekte Verteilung: mithilfe von Verrechnungsschlüsseln (= Stellengemeinkosten)

Schritt 3: Verteilung der (sekundären) Gemeinkosten

Die in den Hilfskostenstellen entstandenen Kosten werden auf die Hauptkostenstellen verteilt

nur Umverteilung!

Schritt 4: Summe der Gemeinkosten

Die Gemeinkosten werden aufsummiert.

Aufgabe 1: Erstellung eines einstufigen BABs

a) Erstellen Sie den Betriebsabrechnungsbogen (BAB)

Quartalssummen der Kostenarten zum 31.12.20xx

KostenartBetrag
Fertigungsmaterial410.000,— Euro
Fertigungslöhne276.100,— Euro
Hilfs- und Betriebsstoffe39.000,— Euro
Energiekosten84.000,— Euro
Hilfslöhne18.000,— Euro
Gehälter104.000,— Euro
Sozialkosten40.800,— Euro
Instandhaltungskosten31.200,— Euro
Steuern, Beiträge, Versicherungsprämien18.600,— Euro
Bürokosten7.600,— Euro
Kalkulatorische Abschreibungen
- Gebäude9.000,— Euro
- Maschinen32.000,— Euro
- Werkzeuge6.000,— Euro
- Betriebsausstattung3.600,— Euro
- Geschäftsausstattung4.800,— Euro
Kalkulatorischer Unternehmerlohn9.000,— Euro
SEKF (Sondereinzelkosten der Fertigung)6.400,— Euro
SEKV (Sondereinzelkosten des Vertriebs)49.100,— Euro
KostenartenZuteilungsgrundlagenSchlüssel für die KostenstelleI. MaterialII. FertigungIII. VerwaltungIV. Vertrieb
Hilfs- und BetriebsstoffeEinzelbelegeEuro3.60028.700Rest5.600
EnergiekostenVerbrauch (Stromzähler)kWh8.000800.00012.00020.000
HilfslöhneLohnlistenEuro1.12514.6252.250
GehälterGehaltslistenEuro7.42818.57066.86011.142
SozialkostenZahl der Beschäftigten3110185
InstandhaltungskostenAnlagenkarteiEuro3.01622.6721.7683.744
Steuern, Beiträge, Versicherungen…Flächen je Kostenstelleqm2902.180170360
BüromaterialEinzelbelegeEuro1.800280Rest720
Abschr. auf GebäudeFlächen je Kostenstelleqm2902.180170360
Abschr. auf das bewegliche AVAnlagenkartei:
- Maschinen%100
- Werkzeuge%100
- Betriebsausstattung%107020
- Geschäftsausstattung%10601020
Kalk. ULVerhältniszahlen1865

Aufgabe 1 Lösungsvorlage

Anmerkung: Verteilt werden nur die Gemeinkosten! In der ersten Tabelle sind auch Einzelkosten enthalten, diese werden erst später gebraucht. Einzelkosten: Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne, Sondereinzelkosten der Fertigung, Sondereinzelkosten des Vertriebs

KostenartenBetragKostenstelle I.Kostenstelle II.Kostenstelle III.Kostenstelle IV.
Hilfs- und Betriebsstoffe
Energiekosten
Hilfslöhne
Gehälter
Soz. Kosten
Instandhaltung
Steuern
Bürokosten
Kalkulatorische Abschreibungen
- Gebäude
- Maschinen
- Werkzeuge
- Betriebsausstattung
- Geschäftsausstattung
Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Summe der GK407.600

Schritt 5: Erfassung der Bezugsgrößen

Bezugsgrößen (= 100%) für die Berechnung der Istzuschläge sind:

  • Materialgemeinkosten → Fertigungsmaterial

  • Fertigungsgemeinkosten → Fertigungslöhne

  • Verwaltungsgemeinkosten → Herstellkosten

  • Vertriebsgemeinkosten → Herstellkosten

Berechnungsschema: Herstellkosten
Fertigungsmaterial
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Fertigungskosten
Herstellkosten = Materialkosten + Fertigungskosten

Aufgabe 1a

Berechnen Sie die Herstellkosten aus Aufgabe 1.

Selbstkosten
Herstellkosten
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten

Aufgabe 1b

Berechnen Sie die Selbstkosten aus Aufgabe 1

Zusatzwissen

Als Bezugsgröße für die Vertriebsgemeinkosten werden häufig die Herstellkosten des Umsatzes genutzt. Die Herstellkosten des Umsatzes bilden die Vertriebskosten besser ab, da sich diese an den verkauften (abgesetzten) Produkten orientiert und somit Lagerbestandsveränderungen miteinbezieht.

Berechnungsschema: Herstellkosten des Umsatzes
(= Herstellkosten der abgesetzten Erzeugnisse)
Herstellkosten der Produktion (= Hko der produzierten Erzeugnisse)

+ Bestandsverminderung an fertigen und unfertigen Erzeugnissen

- Bestandsvermehrungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen

= Hko des Umsatzes

Bestandsverminderung = Endbestand < Anfangsbestand

→ Verkauf der erstellen Erzeugnisse und Teil des Lagerbestands

Bestandsvermehrung = Endbestand > Anfangsbestand

→ kein vollständiger Verkauf aller erstellten Erzeugnisse

Treten keine Bestandsveränderungen auf gilt: Hko der Produktion = Hko des Umsatzes

Schritt 6: Bildung von Ist -Gemeinkostenzuschlägen

Allgemeine Formel zur Berechnung der Zuschlagsgrundlagen
Beispiel:

In der Materialstelle werden 48.000 Euro Materialgemeinkosten ausgewiesen. Das in der Periode verbrauchte Fertigungsmaterial beträgt 800.000 Euro.
Lösung:

Die ermittelten Zuschlagssätze werden Istzuschläge genannt, da ihrer Berechnung die tatsächlich während der vergangenen Abrechnungsperiode angefallenen Kosten zugrunde liegen.

Aufgabe 1c

Berechnen Sie die Zuschlagssätze aus Aufgabe 1!

Ergebnistabelle aus Aufgabe 1:

KostenartenBetragKostenstelle I.Kostenstelle II.Kostenstelle III.Kostenstelle IV.
Summe der GK407.60022.627262.50388.27234.198
Bezeichnung der GK
Zuschlagsgrundlagen
Zuschlagssätze

Aufgabe 2: Einstufiger BAB mit 4 Hauptkostenstellen und Berechnung der Zuschlagssätze

Stellen Sie einen BAB auf und berechnen Sie die Zuschlagssätze.

Zusätzliche Informationen: Bezugsgrößen (Zuschlagsgrundlagen)

  • für die Materialgemeinkosten: Fertigungsmaterial = 170.500 €

  • für die Fertigungsgemeinkosten: Fertigungslöhne = 40.000 €

  • für die Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten: Herstellkosten der Produktion.

  • Die Sondereinzelkosten der Fertigung betragen 84.330 €.|

GemeinkostenartenZahlen aus der KostenartenrechnungVerteilungsgrundlageMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Gemeinkostenmaterial18.000Materialentnahmeschein (direkt)4.00012.0001.500500
Gehälter36.000Gehaltsliste (direkt)2.00010.00018.0006.000
Hilfslöhne18.000Stempelkarten (direkt)350 Std.750 Std.60 Std.40 Std.
Gesetzliche soziale Abgaben11.000Lohn- und Gehaltslisten (direkt)9503.5505.5001.000
Freiwillige Sozialleistungen5.000Anzahl der Beschäftigten2963
Kalkulatorische Abschreibung8.000Anlagenkartei im Verhältnis11032
Mieten9.800qm8052012080
Instandhaltung1.500Rechnungen (direkt)701.200230
Sonstige Aufwendungen15.000direkt2.8007.5003.7001.000

Aufgabe 2: Lösungsvorlage

GemeinkostenartenMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Gemeinkostenmaterial18.000
Gehälter36.000
Hilfslöhne18.000
Gesetzliche soziale Abgaben11.000
Freiwillige Sozialleistungen5.000
Kalkulatorische Abschreibung8.000
Mieten9.800
Instandhaltung1.500
Sonstige Aufwendungen15.000
Summe

Aufgabe 3

Eine Möbelfabrik arbeitet seit sechs Monaten mit folgenden Gemeinkostenzuschlagsätzen:
MGK 20 %, FGK 80 %, VwGK 20 %, VtGK10 %.

Ein Kunde bestellt bei der Möbelfabrik einen Schrank nach eigenen Wünschen und ist bereit dafür 720,00 Euro zu zahlen.

1. Soll die Möbelfabrik den Auftrag annehmen, wenn von folgenden Annahmen auszugehen ist: Es soll kein Verlust mit dem Geschäft gemacht werden.
Für den Schrank müsste man Rohstoffe im Wert von 120,00 Euro und Akkordlöhne in Höhe von 200,00 Euro einsetzen. Es würden Sondereinzelkosten des Vertriebs (wegen einer notwendigen Spezialverpackung) in Höhe von 40,00 Euro anfallen. Unser Vertreter bekäme eine Provision von 5 %.

2. Wie hoch wäre der Gewinnzuschlag (auf 2 Stellen hinter dem Komma), der erreicht würde, wenn der Kunde bereit wäre für den Schrank 820,00 Euro zu zahlen?
Falls Sie die Aufgabe 1 nicht lösen konnten, gehen Sie von Selbstkosten in Höhe von 710,00 Euro aus.

Weitere Übungsaufgaben (Hausaufgaben)

Bearbeiten Sie die folgenden Aufgaben (58-61).
Quelle: Übungsaufgaben 58 - 61, Wirtschaftslehre (TG), S. 210-211, Merkur Verlag

Aufgabe 58

Ein kleiner Industriebetrieb arbeitet mit vier Kostenstellen, die den Funktionsbereichen Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb entsprechen. Laut Kostenartenrechnung sind die im Monat Oktober entstandenen Gemeinkosten der Kostenstelle wie folgt zuzuordnen:

GemeinkostenZahlen aus der KLRKostenstelle I MaterialKostenstelle II FertigungKostenstelle III VerwaltungKostenstelle IV Vertrieb
Kosten laut Belegen:
Betriebsstoffe50.00010.00035.0002.5002.500
Gehälter180.00015.00030.000100.00035.000
Fremdreparaturen100.0005.00080.00010.0005.000
Abschreibungen92.00012.00049.00023.4007.600
Kosten laut Verteilungsschlüssel:
Hilfslöhne36.00014-1
Stromkosten12.0005.000 kWh40.000 kWh10.000 kWh5.000 kWh
Betriebssteuern49.0001321
Kalk. Unternehmerlohn10.0001432

Ermitteln Sie die Summe der Gemeinkosten je Kostenstelle.

Aufgabe 59

1 Ordnen Sie die Kostenstellenrechnung im Gesamtbereich der Kosten- und Leistungsrechnung ein!

2 Beschreiben Sie den rechnungstechnischen Ablauf der Kostenstellenrechnung.

3 Nennen Sie die wichtigsten Kriterien bei der Einrichtung von Kostenstellen.

4 Die Kostenartenrechnung eines Industriebetriebs weist für den Monat Januar folgende Kosten aus, die wie folgt aufzuteilen sind:

GemeinkostenZahlen der KLRMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Betriebsstoffe36.00012.000Rest--
Gehälter90.0007.5007.50037.500Rest
Sozialkosten30.0002233
Abschreibungen48.0002431
Steuern45.0001441
Sonstige Kosten210.0001562

Verbrauch von Fertigungsmaterial: 300.000 Euro
Fertigungslöhne: 180.000 Euro

4-1 Erstellen Sie einen Betriebsabrechnungsbogen (BAB).
4-2 Berechnen Sie den Zuschlagssatz je Kostenstelle für den Monat Januar.

5 Der Materialgemeinkostenzuschlagssatz in einem Industriebetrieb beträgt 9 %. Beschreiben Sie den Sachverhalt, der durch diesen Zuschlagssatz zum Ausdruck kommt.

Aufgabe 60

Für die Betriebsabrechnung ist ein Industriebetrieb in vier Kostenstellen eingeteilt: Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb.

Aus den Zahlen der Kosten- und Leistungsrechnung ergeben sich folgende Gemeinkostenbeträge:

GemeinkostenTEUR
Hilfslöhne500
Gehälter1000
Sozialkosten500
Stromkosten100
Raumkosten300
Abschreibungen500
Zinsen900

Ermitteln Sie mithilfe eines Betriebsabrechnungsbogens (BAB) die Gemeinkosten der vier Kostenstellen unter Verwendung der nachfolgend genannten Schlüssel:

GemeinkostenMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Hilfslöhne40 %40 %12 %8 %
Gehälter20 %20 %32 %28 %
Sozialkosten nach Zahl der Mitarbeiter160560152128
Stromkosten im Verhältnis2611
Raumkosten nach Fläche in m²5001500600400
Abschreibungen nach Anlagevermögen (TEUR)15003000300200
Zinsen nach Material- und Erzeugnisbeständen (TEUR)4500500043001200

Berechnen Sie die vier Zuschlagssätze.
Zusätzliche Angaben:
Fertigungsmaterial = 4850 TEUR
Fertigungslöhne = 1000 TEUR

Aufgabe 61

Eine Papierfabrik hat für den Monat Dezember folgende Gemeinkosten ermittelt, die in der vorgegebenen Weise auf die vier Kostenstellen verrechnet wurden:

GemeinkostenZahlen der KLRVerteilungsgrundlageMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Betriebsstoffe21.000Entnahmescheine2.70016.900-1.400
Gehälter56.900Gehaltsliste3.5004.80035.20013.400
Sozialkosten25.200Gehaltsliste2.1002.60015.4005.100
Versicherungen7.794Verhältnis2331
Instandhaltung5.400Arbeitsstunden90031001200200
Steuern8.748Verhältnis1311
Energiekosten9.600kWh1.2005.7001.7001000
Abschreibungen13.800Vermögenswerte2.4009.3001.500600
Zinsen6.900Vermögenswerte1.2004.650750300

Fertigungsmaterial: 38.200
Fertigungslöhne: 67.527,50

1 Stellen Sie aufgrund der Vorgaben den BAB auf.
2 Berechnen Sie die Zuschlagssätze für die einzelnen Kostenstellen.

Normalgemeinkosten

Wenn die Gemeinkostenzuschläge innerhalb eines Abrechnungszeitraums stark schwanken, behilft man sich mit Normalgemeinkostenzuschlagssätzen (= Sollzuschläge bzw. Durchschnittswerte)

→ einfacher Durchschnitt der einzelnen Gemeinkostenzuschlagssätze

→ Bei der Berechnung wird von einer Normalbeschäftigung ausgegangen (Beschäftigung = Mengenausbringung Normalbeschäftigung = normale Produktion)

Berechnung der Normalkosten:

Normalgemeinkosten = Normalgemeinkostenzuschlagssatz * Bezugsgröße

Normalgemeinkosten > Ist- Gemeinkosten

→ Kostenüberdeckung (= durch die tatsächlich geringeren Kosten steigt der Gewinn)

Normalgemeinkosten < Ist-Gemeinkosten

→ Kostenunterdeckung (= durch die tatsächlich höheren Kosten sinkt der Gewinn)

Mögliche Gründe für die Abweichung zwischen Ist- und Normalkosten:

  • Preisabweichungen (z.B. Erhöhung des Preises für Gemeinkostenmaterial)
  • Verfahrensänderungen (z.B. Einführung eines neuen Fertigungsverfahrens)
  • Beschäftigungsabweichung (z.B. durch die Zunahme bzw. den Rückgang der Beschäftigung verändert sich die Bezugsgröße für die Material- und Fertigungsgemeinkosten)

Aufgabe Normalgemeinkosten

In einem Industriebetrieb sind aus dem Durchschnitt der Ist-Gemeinkostenzuschläge die folgenden Normalzuschläge errechnet worden: Materialgemeinkostenzuschlag 6%, Fertigungsgemeinkostenzuschlag 150%, Verwaltungsgemeinkostenzuschlag 15% und Vertriebsgemeinkostenzuschlag 10%.

Im abgelaufenen Monat wurden die folgenden Einzelkosten ermittelt: Fertigungsmaterial 90.000 €, Fertigungslöhne 80.500 €.

Der BAB des letzten Monats weist folgende Endsummen aus:

GemeinkostenZahlen der Kostenarten-
rechnung
Kostenstellen
MaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Summen210.20018.000120.50050.50021.200
  1. Ermitteln Sie die Ist-Zuschlagssätze.
  2. Stellen Sie in einer Gesamtkalkulation die Berechnung der Selbstkosten des Umsatzes für die Ist- und Normalkosten übersichtlich gegenüber.
  3. Tragen Sie im BAB die Normalgemeinkosten ein, und stellen Sie diese den Ist-Gemeinkosten gegenüber. Berechnen Sie die Kostenunterdeckungen und -überdeckungen.
  4. Worauf könnten eventuell auftretende größere Deckungsdifferenzen im vorliegenden Falle zurückzuführen sein?

Lösungsvorlagen

Tabelle 1:

Bezeichnung der KostenIstkosten (Nachkalkulation)%Normalkosten (Vorkalkulation)%
Fertigungsmaterial
Materialgemeinkosten
Materialkosten
Fertigungslöhne
Fertigungsgemeinkosten
Fertigungskosten
Herstellkosten der Produktion
Verwaltungsgemeinkosten
Vertriebsgemeinkosten
Selbstkosten

Tabelle 2:

GemeinkostenartenZahlen der KostenartenrechnungMaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Istkosten
Normalkosten
Deckungsdifferenzen:
- Überdeckungen
- Unterdeckungen
Istzuschlagssätze
Normalzuschlagssätze

Lösungen:

Aufgabenteil 1 und 2

Bezeichnung der KostenIstkosten (Nachkalkulation)%Normalkosten (Vorkalkulation)%
Fertigungsmaterial90.0002090.00020
Materialgemeinkosten18.0005.4006
Materialkosten108.00095.400
Fertigungslöhne80.500149,780.500150
Fertigungsgemeinkosten120.500120.750
Fertigungskosten201.000201.250
Herstellkosten der Produktion309.000296.650
Verwaltungsgemeinkosten50.50016,3444.497,5015
Vertriebsgemeinkosten21.2006,929.66510
Selbstkosten380.700370.812,50

Aufgabenteil 3

GemeinkostenartenZahlen der Kostenarten-
rechnung
MaterialFertigungVerwaltungVertrieb
Istkosten210.20018.000120.50050.50021.200
Normalkosten200.312,505.400120.75044.497,5029.665
Deckungsdifferenzen:
- Überdeckungen2508465
- Unterdeckungen9887,5012.6006.002,50
Istzuschlagssätze20%149,7%16,34%6,9%
Normalzuschlagssätze6%150%15%10%

Aufgabenteil 4:

Mögliche Ursachen für die Unterdeckung im Materialbereich:

  • Erhöhung der Rohstoffpreise
  • Erhöhung der Hilfslöhne für Mitarbeiter im Lager

Mögliche Ursachen für die Überdeckung im Vertriebsbereich:

  • Abbau von Stellen im Verkauf
  • Geringerer Werbeaufwand
  • Gezieltere Einsatzplanung des Fuhrparks

Zusammenfassung:

  • Normalzuschläge werden aus den Istzuschlägen zurückliegender Abrechnungsperioden ermittelt.
  • Abweichungen zwischen Normal- und Istkosten führen zu Über- und Unterdeckungen (Deckungsdifferenzen).
  • Die Normalkostenrechnung orientiert sich an Vergangenheitsgrößen. [→ besser wäre eine Plankostenrechnung]

Innerbetriebliche Leistungsverrechnung

Stufenleiterverfahren/Treppenverfahren

Vorgehensweise:

  1. Man bringt die Kostenstellen in eine solche Reihenfolge, dass die Kostenstellen möglichst keine oder wenige innerbetriebliche Güter von jeweils vorgelagerten Stellen erhalten.
  2. Die Primärkosten der ersten Stelle sind gleich deren Gesamtkosten.
  3. Die Gesamtkosten der ersten Stelle werden unter Verwendung von Schlüsselgrößen auf die Kostenstellen verteilt, die die Güter der ersten Kostenstelle in Anspruch genommen haben.
  4. Die Gesamtkosten der zweiten Stelle ergeben sich aus der Summe ihrer Primärkosten und ihrem Anteil an den Gesamtkosten der ersten Stelle.
  5. Die Gesamtkosten der zweiten Stelle werden auf die nachfolgenden Kostenstellen verteilt.
  6. usw.

Beispiel:

Hilfskostenstellen: KS1, KS2, KS3; Hauptkostenstellen: KS4, KS5
„-„ Entlastung „+„ Belastung
Zahlen und Verteilungsschlüssel sind zufällig und dienen nur zur Veranschaulichung der Treppenstruktur.

KostenartenKostenstellenKS1KS2KS3KS4KS5
Primäre Kosten60049640070006000
Sekundärkostenrechnung-600+120+240+2400
-616+154+308+154
-794+ 397+397
Endkosten00079456551

Aufgabe: Mehrstufiger BAB – Treppenverfahren

KostenartenGemein-kostenKantine (Allg. Hilfs-kosten-stelle)MaterialFertigungs-hauptkosten-stelle Werkstatt 1Fertigungs-hauptkosten-stelle Werkstatt 2Technisches Büro (Fertigungs-hilfskosten-stelle)VerwaltungVertrieb
Hilfsstoffe64.5004501.25029.20032.500150200750
Gehälter65.80012.00018.37531.60028.28511.20042.71521.625
Soziale Abgaben56.3504.3005.43011.2207.5004.78014.1209.000
Steuern123.1509.15018.25013.68031.93018.22018.24013.680
Versch. Aufwand.62.9003.15011.55016.70010.0508.0109.3404.100
Kalk. Abschr.75.1004.5007.00024.10025.3002.1505.0507.000
Kalk. Zinsen103.9308.0009.20025.15028.2507.62012.31013.400
Kalk. Wagn.14.0702.0001.7004.1004.4003702.1001.200
Kalk. UL48.0005004.8008.6009.60050015.2008.800
Summe prim. GK713.80042.25077.555164.350177.81553.000119.27579.555

Aufgaben

  1. Verteilen Sie die allgemeine Hilfskostenstelle auf die anderen Kostenstellen nach dem Schlüssel (Umlage 1): B : C : D : E : F : G wie 1 : 8 : 7 : 1 : 5 : 3

  2. Die Fertigungshilfskostenstelle ist auf die zugehörige Fertigungshauptkostenstelle nach dem folgenden Schlüssel umzulegen (Umlage 2): C : D wie 1 : 1

Lösungsvorlage:

KostenartenGemeinkostenKantine (Allg. Hilfs-kosten-stelle)MaterialFertigungs-hauptkosten-stelle Werkstatt 1Fertigungs-hauptkosten-stelle Werkstatt 2Technisches Büro (Fertigungs-hilfskosten-stelle)VerwaltungVertrieb
Summe der primären Gemeinkosten713.80042.25077.555164.350177.81553.000119.27579.555
Umlage 1
Zwischensumme
Umlage 2
GK der Hauptkostenstellen

Lösung:

KostenartenGemeinkostenKantine (Allg. Hilfs-kosten-stelle)MaterialFertigungs-hauptkosten-stelle Werkstatt 1Fertigungs-hauptkosten-stelle Werkstatt 2Technisches Büro (Fertigungs-hilfskosten-stelle)VerwaltungVertrieb
Summe der primären Gemeinkosten713.80042.25077.555164.350177.81553.000119.27579.555
Umlage 1- 422501.69013.52011.8301.6908.4505.070
Zwischensumme79.245177.870189.64554.690127.72584.625
Umlage 227.34527.345- 54.690
GK der Hauptkostenstellen79.245205.215216.990127.72584.625