Kostenträgerrechnung (Kalkulation)

Wofür sind die Kosten angefallen

Aufgaben der Kostenträgerrechnung:

  • Verrechnung der Kosten auf die einzelne Leistungseinheit

  • Bestimmung des Angebotspreises

  • Ermittlung von Preisuntergrenzen

Vorkalkulation:

  • wird vor der Leistungserstellung durchgeführt = Angebotskalkulation

  • Entscheidungshilfe zur Annahme oder Ablehnung von Aufträgen

Nachkalkulation

  • wird nach der Herstellung durchgeführt.

  • Vergleich zwischen Ist- Werten (tatsächlich angefallenen Kosten) mit den Ergebnissen der Vorkalkulation (Soll-Werte).

  • Erkennen von Fehleinschätzungen

  • Anhaltspunkte für künftige Vorkalkulationen können gewonnen werden.

Folgende drei Möglichkeiten kann man mit der Kalkulation abbilden

1. Vorwärtskalkulation

Ziel: Verkaufspreis bestimmen

2. Rückwärtskalkulation

Markt gibt Preise vor

3. Differenzkalkulation

Gewinn ermitteln und Ergebnis analysieren

Wir arbeiten bei allen drei Möglichkeiten mit folgendem Schema:

Kalkulationsschema
Materialeinzelkosten (Fertigungsmaterial)
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
Fertigungseinzelkosten (Fertigungslöhne)
+ Fertigungsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Fertigungskosten
= Herstellkosten
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten
+ Gewinn
= Barverkaufspreis
+ Skonto
= Zielverkaufspreis
+ Kundenrabatt
= Listenverkaufspreis (netto)
+ MwSt
= Angebotspreis (brutto)

Aufgabe 1

Eine Maschinenfabrik errechnet zur Abgabe eines Angebots für eine Abfüllmaschine den Listenverkaufspreis. Es wird mit folgenden Kosten kalkuliert:

Verbrauch von Fertigungsmaterial: 17.200,00 Euro
Fertigungslöhne: 21.400,00 Euro
Sondereinzelkosten der Fertigung: 1.400,00 Euro
Sondereinzelkosten des Vertriebs: 890,00 Euro

Zuschlagssätze: Materialgemeinkosten 9 %, Fertigungsgemeinkosten 110 %, Verwaltungsgemeinkosten 18 %, Vertriebsgemeinkosten 6%.

Bei der Angebotskalkulation der Abfüllmaschine sollen 15 % Gewinn, 10 % Einführungsrabatt und 2 % Skonto einkalkuliert werden.

Aufgabe: Berechnen Sie den Listenverkaufspreis.

Lösung Aufgabe 1

Kalkulationsschema%Euro
Materialeinzelkosten17200,00
+ Materialgemeinkosten9 %1548,00
= Materialkosten18748,00
Fertigungseinzelkosten21400,00
+ Fertigungsgemeinkosten110 %23540,00
+ Sondereinzelkosten der Fertigung1400,00
= Fertigungskosten46340,00
= Herstellkosten65088,00
+ Verwaltungsgemeinkosten18 %11715,84
+ Vertriebsgemeinkosten6 %3905,28
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs890,00
= Selbstkosten81599,12
+ Gewinn15 %12239,87
= Barverkaufspreis93838,9998%
+ Skonto2 %1915,082 %
= Zielverkaufspreis95754,07100 %90 %
+ Kundenrabatt10 %10639,3410 %
= Listenverkaufspreis (netto)106393,41100 %100%
+ MwSt19 %20214,7519 %
= Angebotspreis (brutto)126608,16119 %

Aufgabe 2

Eine Fensterfabrik soll ein Angebot für die Lieferung eines Fensters bestimmter Größe abgeben. Bei günstigem Angebot wird die Bestellung einer größeren Menge in Aussicht gestellt.

Aufgrund der betrieblichen Unterlagen liegen folgende Kalkulationsdaten vor:

Verbrauch von Fertigungsmaterial 44,30 Euro, Fertigungslöhne 61,25 Euro, Sondereinzelkosten der Fertigung 157,66 Euro.
Die Zuschlagssätze für die Gemeinkosten betragen: Materialgemeinkosten 6,7 %, Fertigungsgemeinkosten 157,4 %, Verwaltungsgemeinkosten 16,4 %, Vertriebsgemeinkosten 9,8 %.
Außerdem sollen einkalkuliert werden: 12,5 % Gewinn, 5 % Kundenrabatt und 3 % Kundenskonto.

Erstellen Sie das Angebot.

Lösung Aufgabe 2

Kalkulationsschema%Euro
Materialeinzelkosten44,30
+ Materialgemeinkosten6,7 %2,97
= Materialkosten47,27
Fertigungseinzelkosten61,25
+ Fertigungsgemeinkosten157,4 %96,41
+ Sondereinzelkosten der Fertigung157,66
= Fertigungskosten315,32
= Herstellkosten362,59
+ Verwaltungsgemeinkosten16,4 %59,46
+ Vertriebsgemeinkosten9,8 %35,53
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs0
= Selbstkosten457,58
+ Gewinn12,5 %57,20
= Barverkaufspreis514,7897%
+ Skonto3 %15,923 %
= Zielverkaufspreis530,70100 %95 %
+ Kundenrabatt5 %27,935 %
= Listenverkaufspreis (netto)558,63100 %100%
+ MwSt19 %106,1419 %
= Angebotspreis (brutto)664,77119 %

Aufgabe 3

Für die Ermittlung des Angebotspreises für einen Kühlschrank liegen bei der Frost GmbH folgende Kalkulationsunterlagen vor:

Verbrauch von Fertigungsmaterial 275,80 Euro, Fertigungslöhne 330,40 Euro, Zuschlagssätze für Materialgemeinkosten 35 %, Fertigungsgemeinkosten 85 %, Verwaltungsgemeinkosten 20 %, Vertriebsgemeinkosten 18 %. Der Gewinnaufschlag wird mit 25 % angesetzt. Außerdem sollen noch 10 % Rabatt und 2 % Skonto einkalkuliert werden.

Berechnen Sie den Angebotspreis.

Lösung Aufgabe 3

Kalkulationsschema%Euro
Materialeinzelkosten275,80
+ Materialgemeinkosten35 %96,53
= Materialkosten372,33
Fertigungseinzelkosten330,40
+ Fertigungsgemeinkosten85 %280,84
+ Sondereinzelkosten der Fertigung0
= Fertigungskosten611,24
= Herstellkosten983,57
+ Verwaltungsgemeinkosten20 %196,71
+ Vertriebsgemeinkosten18 %177,04
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs0
= Selbstkosten1357,32
+ Gewinn25 %339,33
= Barverkaufspreis1696,6598%
+ Skonto2 %34,632 %
= Zielverkaufspreis1731,28100 %90 %
+ Kundenrabatt10 %192,3610 %
= Listenverkaufspreis (netto)1923,64100 %100%
+ MwSt19 %365,4919 %
= Angebotspreis (brutto)2289,13119 %

Maschinenstundensatz

Hinweis: Wiederbeschaffungswert ist vorgegeben, ohne Berücksichtigung des Restwerts

Achtung

Die Maschinenstundensatzrechnung ist eine Erweiterung der Kostenträgerstückrechnung, also des bisherigen Kalkulationsschemas, und betrifft nur die Fertigungskosten. Alles andere bleibt gleich!

Video: Maschinenstundensatzrechnung einfach erklärt; Quelle: JL Education

Die Maschinenstundensatzrechnung ist..

  • ein Verfahren der Kostenträgerstückrechnung,
  • dient bei zunehmender Technisierung einer verursachungsgerechteren Kostenzurechnung auf den Kostenträger,
  • Laufstunden der Maschine sind Sollgrößen. Ausfallzeiten sind zu berücksichtigen.

Vorgehen

Trennung der Fertigungsgemeinkosten:

  1. Maschinenabhängige Fertigungsgemeinkosten

    Beispiele: Abschreibungen, Zinsen, Instandhaltung, Raum-und Energiekosten

    Grundlage der Zurechnung: Maschinenstunden

  2. Rest-Fertigungsgemeinkosten (nicht maschinenabhängig)

    Beispiele: Hilfslöhne, Gehälter, soziale Aufwendungen, Hilfs-und Betriebsstoffe

    Grundlage der Zurechnung: Fertigungslöhne (da lohnabhängig)

Auswirkungen auf die Berechnung der Fertigungskosten:

Maschinenkosten Fertigungsstelle I (Maschinenstundensatz * Stunden) .+ Fertigungslöhne Fertigungsstelle I .+ Rest-Fertigungsgemeinkosten-Zuschlag .= Fertigungskosten I

Erklärung: Da die maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten vom Maschineneinsatz abhängen, werden die Maschinenstunden zur Grundlage für die Zurechnung dieser Gemeinkosten. Die nicht maschinenabhängigen Rest-Fertigungsgemeinkosten sind lohnabhängig und werden deshalb – wie bisher – auf die Fertigungslöhne (= 100%) bezogen.

Aufgabe 1

Ein Unternehmen benötigt monatlich etwa 70.000 Stanzelemente, die zum Preis von 0,80 € je Stück beschafft werden. Wegen steigender Nachfrage wird eine Umstellung von Fremdbezug auf Eigenfertigung erwogen. Für die Selbstkostenermittlung stehen folgende Daten zur Verfügung:

Anschaffungswert der Stanzmaschine: 50.000 €

Wiederbeschaffungswert: 64.800 €

Nutzungsdauer: 6 Jahre

Sollmaschinenlaufzeit/Jahr: 1.800 Std.

Kalkulatorische Zinsen: 6 % von den halben Anschaffungskosten

Instandhaltungskosten pro Jahr: 336 €

Raumkosten für 20 m² zu 10 € je m² monatlich

Energiebedarf/Std.: 14 KW zu 0,10 € je KWh

Kapazität der Maschine je Stunde: 480 Stück

a) Wie hoch ist der Maschinenstundensatz für die Stanzmaschine?

b) Ermitteln Sie die Selbstkosten für die Produktionsmenge von 72.000 Stanzelementen insgesamt und je Stück.

Folgende Daten sind dabei zu berücksichtigen:

Fertigungsmaterial: 0,50 € je Stück

Fertigungslöhne je Stunde: 20 €

Materialgemeinkosten: 10 %

Rest-Fertigungsgemeinkosten: 10 %

Verwaltungsgemeinkosten: 20 % der Herstellkosten

c) Lohnt sich die Umstellung von Fremdbezug auf Eigenfertigung?

Aufgabe 2

Kostenstellensummen laut Quartals-BAB:

KostenstelleSumme
Material10.000 €
Fertigung IGemeinkosten insgesamt

Maschinenkosten
90.000 €

75.000 €
Fertigung IIGemeinkosten insgesamt

Maschinenkosten
55.000 €

50.000 €
Verwaltung

Vertrieb
8.640 €

12.960 €

Sollmaschinenlaufzeit Maschine I: 500 Stunden

Sollmaschinenlaufzeit Maschine II: 400 Stunden

Fertigungslöhne I: 20.000 €

Fertigungslöhne II: 16.000 €

Fertigungsmaterial: 25.000 €

a) Ermitteln Sie die Zuschlagssätze.

b) Ermitteln Sie die Maschinenstundensätze.

c) Führen Sie eine Stückkalkulation durch:

Fertigungslöhne I: 600 €

Fertigungslöhne II: 800 €

Fertigungsmaterial: 1.600 €

Maschinenstunden I: 4 Std.

Maschinenstunden II: 1 Std.

Gewinn: 20 %

Kundenskonto: 2 %

Kundenrabatt: 10 %